Pädagogisches Konzept
„Als die Idee zum Kinderkochfestival im Jahr 2000 entstand und Bernard Thies, Theo Wilmink und ich über Möglichkeiten nachdachten, wie wir unsere verschiedenen Kompetenzen effektiv verbinden können, war uns von Beginn an klar, dass wir nicht in der Schulklasse stehen werden, um mit Stift und Papier kognitiv Wissen zu vermitteln. Dieses erste Gefühl resultierte aus unserer festen Überzeugung, dass Ernährung, Kochen, Essen, gemeinsame Stunden am gedeckten Tisch, mehr sind, als ein gelerntes Wissen umzusetzen.
Ebenso ist und war es mein Anliegen, im Zuge der pädagogischen Entwicklung des Konzeptes Kinderkochfestival den Kindern mehr anzubieten, als eine „Zahnarztpädagogik“, die den Verzicht in den Vordergrund stellt, mehr als Ernährungsmittelpyramiden, die erklärt werden, mehr als sportliche Programme, die absolviert werden.
Mit unseren Veranstaltungen möchten wir Kinder nicht drängen, anmahnen und hinweisen, sondern ihnen gemeinsame Erlebnisse bieten, ihnen die Welt Kochen, Experimentieren und Probieren eröffnen. Wir möchten die Kinder für das Kochen begeistern, an neuen Ge-schmackserlebnissen teilhaben lassen, ihre Neugier und Experimentierfreude unterstützen und somit ihren Alltag nachhaltig bereichern.
Wir sprechen die Kinder weniger über ihre kognitiven Fähigkeiten an, sondern beziehen sie in unsere Aktionen ein. Über Erlebnisse und eigenes aktives Tun werden ihre Sinne angesprochen und sensibilisiert. Sie entdecken eigene positive Ressourcen, die Freude am Kochen und an den Geschmackserlebnissen. Die Voraussetzungen für ein intrinsisches Lernen bieten wir Ihnen durch die Vielfalt der Lebensmittel, den Freiraum für ihre kindlichen Kreativität und das gemeinsame Erlebnis mit einer erwachsenen Bezugsperson.
Das Kind entwickelt, sensibilisiert und baut seine Sinne aus, indem es experimentiert, Reize empfindet und diese mit der Unterstützung eines Erwachsenen reflektiert. Aus der Summe dieser Erlebnisse gewinnt das Kind positive Sinneserfahrungen, die zur Weiterentwicklung der ganzheitlichen Persönlichkeitsförderung beitragen.
In unserer Haltung vermitteln wir den Kindern keine Verbote oder Verteufelungen bestimmter Lebensmittel oder Restaurants, sondern motivieren sie zu einer vielfältigen und abwechslungsreichen Ernährung - zum probieren. Wir stellen an dieser Stelle nicht in Abrede, dass Cola, Snickers und Mc Donalds EIN Bedürfnis von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen punktuell erkannt haben und ihre Daseinsberechtigung haben. Wir fordern jedoch dazu auf, durch Schmecken, Probieren und Kochen diesen Horizont zu erweitern und aus dem Lebensbereich Essen und Trinken mehr persönliche Erfolgserlebnisse und eine Bereicherungen des eigenen Alltags zu gewinnen. Zu einer Geschmacksschulung und der Weiterentwicklung der Sinne gehört es, insbesondere in den frühen Lebensjahren mit möglichst vielfältigen Lebensmitteln in Kontakt zu kommen und vielfältige Geschmacksrichtungen zu erleben. Hierzu können auch Fastfood und Fertigprodukte gehören, über die ausschließliche Ernährung mit diesen Produkten findet jedoch keine Entwicklung, sondern eine Stagnation statt.
Ich prangere nicht an, dass sich unsere Esskultur verändert hat, dass wir uns zunehmend im Sitzen fortbewegen und dafür beim Gehen essen; sondern ich möchte zur Erweiterung und Erhaltung der Koch- und Esskultur beitragen.
Kindern wünsche ich, dass sie soviel probieren, ihre Sinne so weit entwickeln, dass sie diesen vertrauen. Wenn Sie heute ein Kind, einen Jugendlichen oder auch einen Erwachsenen fragen, ob die Milch noch gut ist, geht die Person zum Kühlschrank und antwortet „ist noch bis zum 17.01. haltbar.“ An dieser Stelle vertrauen wir eher dem Aufdruck auf der Verpackung als unseren Wahrnehmungen, wir probieren nicht mehr, entscheiden und orientieren uns nicht mehr an unseren Sinnen.
Ebenso wünsche ich Kindern, dass sie Lebensmittel als ein ganz besonderes Gut schätzen, die Qualität wahrnehmen und somit gut auf sich achtgeben. Insbesondere dieser Punkt stellt in unserem heutigen Lebensalltag eine hohe Herausforderung dar: Gehen Sie z. B. in einen Supermarkt und kaufen Sie Zitronensaft oder ein Lebensmittel, welches mit Zitrone aromatisiert ist. Überwiegend stellen Sie fest, dass es sich nicht um einen natürlichen Zitronensaft handelt, sondern um ein aromatisiertes oder vollständig künstliches Produkt. Wenn Sie jedoch eine Abteilung weitergehen und sich nach Spül- und Putzmittel umsehen, so werden Sie viele Produkte auffinden, die reinen, natürlichen Zitronensaft enthalten.
Demnach verfolgen wir auch nicht ausschließlich das Ziel, die Gesundheit zu fördern und das Gewicht einiger Kinder zu reduzieren. Unsere Ziele sind darauf abgestimmt, Kinder über diese Initiative ganzheitlich, in vielen Bereichen zu fördern.
Neben d. o. g. gesundheitlichen Förderung möchten wir Kindern den Zugang zu einer sinnvollen und schmackhaften Ernährung ermöglichen, ihre Geschmackssinne schulen und entwickeln, Kinder für den Wert der menschlichen Ernährung sensibilisieren, ihre Grundhaltung zu einer frischen, regionalen und gesunden Ernährung fördern.
Die Esskultur in- und außerhalb der Familien wird dabei zunehmend unterstützt, bzw. erhalten, so dass sowohl die kulturellen Werte als auch die sozialen, familiären Kontakte bereichert werden.
Ich persönlich schätze an der Arbeit im Verein ganz besonders, dass sich die Ganzheitlichkeit erfreulicherweise auch intern niederschlägt: So wirken im Verein Personen der verschiedensten Berufsgruppen mit, es ergibt sich ein sehr reger, multiprofessioneller Austausch, den ich sehr genieße und von dem ich profitiere. Ein Austausch, der auch manchmal in einem sehr langen Glas Wein endet, aber wie gesagt… die Vielfältigkeit…
„Viele Menschen haben das Essen verlernt – sie können nur noch schlucken.“ Paul Bocuse



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